Zero Waste Kosmetik – Interview mit Michael Brunn

Das Thema Nachhaltigkeit liegt uns bei ZAUBERBLICK am Herzen – sehr sogar. Deshalb wollen wir jeden Tag noch besser und noch umweltfreundlicher werden. Unsere Zero Waste Kosmetik Produkte sind für uns ein großer Schritt in die Richtung einer nachhaltigen, von unnötigem Verpackungsmüll befreiten Zukunft. Leider ist Kunststoff noch immer das Verpackungsmaterial Nummer eins in der Beauty Industrie. Aber muss das sein? 

Das weiß Michael Brunn, Verlagsleiter und Chefredakteur vom RECYCLING magazin! Er hat uns im Interview seine Ansichten und sein Wissen rund um das Thema Kunststoffe und ihre Reinlichkeit für Kosmetik Produkte geteilt und einige Gedankenanstöße mitgegeben, mit denen wir unser Konsumverhalten grüner gestalten können. 

ZAUBERBLICK: Herr Brunn, wie sind sie auf diesen Job gekommen? Was fasziniert Sie am Thema Recycling?

Zum RECYCLING magazin bin ich eher durch Zufall durch einen Headhunter gekommen. Vorher hatte ich mich mit dem Thema nicht mehr auseinandergesetzt als die meisten anderen Menschen. Als Journalist schätze ich die enorme thematische Bandbreite von den verschiedenen Stoffströmen über technische, wirtschaftliche und juristische bis hin zu politischen Fragestellungen – und das alles auf nationaler und internationaler Ebene. Zudem habe (hatte) ich die Gelegenheit, viel zu reisen. 

Persönlich schätze ich es inzwischen sehr, mich mit einem wirklich wichtigen und gesellschaftlich relevanten Thema auseinandersetzen zu können, das bei uns im Heft auch längst weit über das reine Recycling hinausgeht. Und vielleicht können wir mit dem RECYCLING magazin ja tatsächlich einen ganz kleinen Beitrag dazu leisten, die Welt ein bisschen besser zu machen.

ZAUBERBLICK: Es findet derzeit (endlich) ein großer Umbruch statt. Obwohl schon länger die Rede von Plastikverbot ab Juli 2021 ist, scheinen einige Branchen überfodert zu seine. Wie sehen Sie das?

Ich glaube bei manchen Unternehmen herrschte das Wunschdenken, dass ein Verbot doch nicht kommen würde. Aber es war natürlich lange im Vorfeld bekannt. Die Frage ist nur, wie sinnvoll es ist. Wie die meisten europäischen Richtlinien und Verordnungen enthält auch die Einwegkunststoffrichtlinie Ausnahmen und Sonderregeln. Davon abgesehen geht die Richtlinie aus meiner Sicht auch am entscheidenden Problem vorbei: Den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Die Abfälle springen ja nicht von sich aus in die Umwelt. Es besteht die große Gefahr, dass wir künftig nicht weniger, sondern noch mehr Littering habe, weil die Menschen glauben, das Material sei ja nicht umweltschädlich – ein ganz großes Problem übrigens bei biobasierten Kunststoffen. Und der Bereich der Verkaufsverpackungen ist davon ja eigentlich gar nicht betroffen. Wir brauchen hier grundsätzlich deutlichere Vorgaben zur Recyclingfähigkeit, aber auch Bewusstseinsbildung und Information bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern.

ZAUBERBLICK: Kunststoffe in der Beauty Branche – es ist sehr schwer dazu Zahlen zu finden. Können Sie uns sagen, wieviel davon wirklich recycelt wird?

Es ist grundsätzlich sehr schwer, Zahlen zu einzelnen Branchen zu finden – und selbst die Gesamtzahlen vom Statistischen Bundesamt muss man mit Vorsicht genießen. Eigentlich kann man das wohl nur auf Grundlage der gesamten recycelten Menge an Verpackungen hochrechnen, aber wirklich seriös wäre das auch nicht.

ZAUBERBLICK: Was sollte die Beauty Branche Ihrer Meinung nach tun, um hier einen erheblichen Teil an Kunststoff zu reduzieren oder um sauber zu recyceln?

Zur Reduzierung der verwendeten Kunststoffmenge bietet es sich auf jeden Fall an, auf unnötige Umverpackungen zu verzichten – oder noch besser, auf Mehrweg- und Refillsysteme zu setzen. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben, ähnlich wie in der Lebensmittelbranche, mag das aber deutlich schwieriger sein als in anderen Branchen, das kann ich nicht beurteilen. Das würde eher die Vermeidung oder Reduzierung betreffen. Um das Recycling zu erleichtern, ist die Verwendung von Monomaterialien sinnvoll. Ich kann mir aber auch sehr gut vorstellen, dass man anstelle von Kunststoff Glas- oder Metallverpackungen verwendet. Da die Behälter in der Regel nicht übermäßig groß sind, spielt das Gewicht hier keine so große Rolle – und Glas und Metall lassen sich nun einmal deutlich besser recyceln als Kunststoffe.

ZAUBERBLICK: Gibt es schon den perfekten Weg, Kosmetik zu verpacken?

Die Frage ist: Perfekt unter welchem Gesichtspunkt? Aber wie schon gesagt: Glas und Metall sind sinnvolle Alternativen, die ja auch genutzt werden – ich würde mal schätzen, dass in meinem Badezimmer ungefähr 50 Prozent der Sachen so verpackt sind. Verpackungen müssen ja nicht zwingend aus Kunststoff sein.

ZAUBERBLICK: Hersteller von Kosmetik bzw. Hautpflege Produkten sind noch sehr zögerlich, wenn es um Bio-Kunststoffe und recycelte Kunststoffe geht. Ihre Bedenken sind häufig, man hätte noch keine Erfahrungswerte dazu, wie sich der Inhalt in den neuen Behältern verändern könnte. Können Sie uns dazu was sagen?

Grundsätzlich müssen ja alle Alternativen – egal ob Rezyklat oder bio-basierte Kunststoffe – den Anforderungen und Spezifikationen der Hersteller entsprechen. Wenn sie das tun, sollte es auch keine Bedenken mehr geben. Problematischer ist es vermutlich in vielen Fällen, ausreichende Mengen Rezyklat zu bekommen. Und bei bio-basierten Kunststoffen bin ich grundsätzlich etwas skeptisch. Viele der Materialien sind nur unter ganz bestimmten industriellen Bedingungen biologisch abbaubar und sorgen zudem in der existierenden Verwertungsstruktur für Probleme.

Wir stellen uns gerade nachwachsende Bio-Kunststoffe vor. Ist es ökonomisch und ökologisch vertretbar, die Erde dafür zu benutzen? Wir brauchen ja dann jede Menge davon…

Ich  halte das für nicht ganz unproblematisch. Zu der oben genannten Problematik kommt noch die Frage der Flächennutzung. Die nachwachsenden Rohstoffe dürfen in keinem Konkurrenzverhältnis etwa zu Anbauflächen für Lebensmittel stehen. Ideal wäre es, biologische Abfälle und Reste nutzen zu können – soweit ich weiß, gibt es da aber noch keine größeren Projekte.

ZAUBERBLICK: Wann beginnt Ihrer Meinung nach Greenwashing?

Das geht aus meiner Sicht ziemlich schnell und ist immer dann der Fall, wenn Umweltvorteile nicht eindeutig benannt oder einfach falsch sind. Formulierungen wie „recyclingfähig“ oder „aus Rezyklat hergestellt“ sind ziemlich nichtssagend und machen mich stutzig. Daher sollte es klare Vorgaben geben, wann und in welcher Form Unternehmen ihre Produkte entsprechend kennzeichnen und bewerben dürfen.

ZAUBERBLICK: Was finden Sie besser, Recycling oder Upcycling?

 Ich halte diese Unterscheidung für ziemlich überflüssig. Solange durch den Einsatz von Rezyklat Primärrohstoffe eingespart werden, hat das Recycling seinen Zweck erfüllt. Und wer entscheidet denn, was eine höherwertige Anwendung ist? Darüber kann man in vielen Fällen trefflich streiten und ich habe da schon ziemlichen Unfug gesehen.

ZAUBERBLICK: Wir stellen immer wieder fest, dass der Konsument nicht aufgeklärt ist, was Recycling angeht. Wie sehen Sie das und was müsste Ihrer Meinung nach passieren?

In der Tat scheint das ein Problem zu sein und ist sicher auch der Komplexität des Systems geschuldet. Die Trennung von Papier und Glas klappt eigentlich ziemlich gut, problematisch sind vor allem die Verpackungen. Und in einigen Fällen sind sich selbst die Experten nicht einig, was in welche Tonne gehört. Zudem muss es den Verbraucherinnen und Verbrauchern so einfach wie möglich gemacht werden, ihren Müll zu trennen, denn das ist nun mal die Grundlage eines hochwertigen Recyclings. Es wäre vermutlich sinnvoll, auf jeden Produkt und jeder Verpackung klar zu sagen, wo sie zur Entsorgung hingehört. Und um die Menschen mehr zur richtigen Mülltrennung zu motivieren, müsste noch viel mehr über den Nutzen des Recyclings gesprochen werden.

ZAUBERBLICK: Ihr Aufruf an unsere Leserinnen?

Ich denke, wir müssen uns alle ein bisschen mehr anstrengen, was den Umgang mit Verpackungen und deren Entsorgung angeht. Und wenn man nur ein bisschen darauf achtet, wo man Verpackungen einsparen kann und die verbliebenen Verpackungen richtig entsorgt, ist schon eine Menge gewonnen. 

Vielen Dank an Michael Brunn für das Interview!

Wir hoffen, dass Du, liebe Leserin, Dich durch diesen Artikel inspiriert fühlst und Kunststoff nach und nach aus deinem Beauty-Regal verbannen kannst.

Schau dich mal in unserer Zero Waste Kosmetik Linie um!

 

Credit: iStock

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