Zellkulturen statt Tierversuche: Spannende Alternativmethode

Tierschutz

Wir bei ZAUBERBLICK sind grundsätzlich gegen Versuche an Tieren. Leider finden auch heutzutage noch viel zu viele solcher grausamen Tests statt. Dabei könnten viele Tierversuche vermieden werden, würden die notwendigen Prüfungen an Zell- oder Gewebekulturen durchgeführt werden. Zellkulturen statt Tierversuche: Eine gute Alternative? 

Alternativmethoden als Ersatz für Tierversuche

Dem deutschen Tierschutzgesetz zufolge dürfen Tierversuche nur durchgeführt werden, wenn keine Alternativmethode zur Verfügung steht. Tierversuche können nur von Behörden und externen Kommissionen genehmigt werden, wenn die zuständigen Wissenschaftler einen besonderen Nachweis vorlegen können. Dieser muss bezeugen, dass das Forschungsvorhaben nicht ohne Einsatz von Tierversuchen auskommt und der Nutzen des Experiments das Leid der Tiere ethisch rechtfertigt. Es gibt heutzutage viele alternative Methoden, die Tierversuche ersetzen können. Außerdem wartet Förderung in dieser Sache: Viele Institutionen unterstützen die Entwicklung sowie Umsetzung solcher Ersatzmethoden. Beispielsweise das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Doch auch spezielle Forschungsinstitute und die Wissenschaft selbst engagieren sich in dem Bereich der Entwicklung alternativer Forschungsmethoden. Warum? An erster Stelle sind hier natürlich meist die ethischen Gründe zu nennen. Doch auch die Erhöhung der Effizienz. Denn Alternativmethoden sind in der Regel sogar billiger und zeitsparender als Tierversuche. 

Alternative: Zellkulturen statt Tierversuche

Neben anderen alternativen Verfahren (z.B. Computersimulationen oder bildgebende Verfahren wie Kernspintomografie) bieten auch Zellkulturen eine gute Möglichkeit, Tierversuche zu ersetzen. Was dahinter steckt? Bei dieser Methode werden Zellen von Tieren oder Menschen im Labor auf so eine Weise kultiviert und aufbereitet, dass sie möglichst ähnlich wie im menschlichen Körper funktionieren. Mithilfe von dreidimensional wachsenden Zellkulturen können dann komplexe Strukturen wie Herzgewebe, Blutgefäße oder sogar komplette Organe nachgestellt werden. Ein Beispiel: künstlich hergestellte menschliche Haut, auf der die Wirkung von Kosmetika oder Arzneimitteln getestet werden kann. Einige Experten sprechen sogar davon, dass solche Tests die Wirksamkeit von Stoffen sogar verlässlicher als Tierversuche (z.B. an lebenden Kaninchen) widerspiegeln.

Experimente, die mithilfe von Zellkulturen durchgeführt werden, werden auch als sogenannte “In-vitro-Experimente” bezeichnet. Im Gegensatz dazu stehen “In-vivo-Experimente”, die im lebenden Organismus geschehen.

Tierversuchsfreie Inhaltsstoffe – hier erfährst Du mehr darüber!

Varianten der Zellkulturforschung

Es stehen unterschiedliche Methoden von Zellkulturen zur Verfügung, die an Stelle von Tierversuchen eingesetzt werden können: 

Permanente Zellkulturen: Primäre Zellkulturen stammen direkt aus dem Gewebe, sind allerdings recht kurzlebig und sterben nach einer gewissen Zeit ab. Um das zu verhindern, kommen meisten permanente Zellkulturen (auch: immortalisierte Zellen) zum Einsatz, die sich ähnlich wie eine Krebszelle immer weiter teilen und quasi unbegrenzt überlebensfähig sind. Diese permanenten Zellkulturen machen es möglich, dass Labortests auch ohne Tierversuche funktionieren. 

Co-Kulturen von Zellen: Verschiedene Zellen (z.B. Muskel, Knochen, Nerven, Immunsystem etc.) interagieren und tauschen Informationen untereinander aus. Dafür brauchen sie besondere Signale von benachbarten oder weiter entfernt liegenden Zellen. Damit diese zwischen den Zellen stattfindenden Interaktionen untersucht werden können, wurden die sogenannten Co-Kulturen erfunden. Die gemeinsame Kultivierung verschiedener Zellen. Mit Co-Kulturen können Forscher zum Beispiel biologische Prozesse im In-Vitro-Modell nachstellen. Das ersetzt Tierversuche. Aus diversen Gründen ist es heutzutage allerdings noch nicht möglich, ganze Organe durch die Züchtung im Reagenzglas herzustellen. Anders sieht das bei Gewebezüchtungen aus, Herzklappen und Gefäßprothesen sind medizinisch bedeutende Beispiele. 

Können Zellkulturen Tierversuche ersetzen?

Leider können Zellkulturen Tierversuche (noch) nicht vollständig ersetzen. Doch sinnvoll eingesetzt tragen sie dazu bei, die Zahl der Tierversuche weiter zu minimieren. Zellkulturen haben laut Wissenschaftlern noch ihre Grenzen. Mit ihnen lassen sich beispielsweise keine Langzeitwirkungen abbilden, weil die Zellen in der Kultur nur wenige Tage stabil bleiben, bevor sich erste Veränderungen zeigen und sie (wissenschaftlich gesehen) nicht mehr geeignet sind.

Werden Tierversuche bald völlig verschwinden?

Die traurige Nachricht: womöglich noch nicht ganz. Denn obwohl es schon einige wirkungsvolle Ersatzverfahren gibt und das Umdenken von Unternehmen und Wissenschaftlern nicht von der Hand zu weisen ist, so können Alternativen Tierversuche in der Grundlagenforschung noch nicht ersetzen. Die meisten dieser Ersatzmethoden basieren auf Erkenntnissen, die auf in der Vergangenheit durchgeführte Tierversuche zurückgehen. Außerdem können diese Verfahren derzeit in den meisten Fällen nur Teilaspekte komplexer Vorgänge im menschlichen Körper nachahmen. Deshalb wird man in näherer Zukunft wahrscheinlich noch nicht vollkommen auf Versuche an lebenden Tieren verzichten können. Dennoch: Der Weg in eine Welt ohne Tierversuche ist geebnet. 

Tierversuche und Zellkulturen: Unser Fazit

Doch wenn Fürsprecher von Tierversuchen behaupten, dass Tests an lebenden Tieren für medizinische Zwecke in der Vergangenheit nötig gewesen seien, dann ist das nicht wirklich korrekt. Nur, weil Tierversuche zur Forschung herangezogen wurden, ist es nicht möglich, vorherzusagen, wie sich die Medizin ohne Tierversuche entwickelt hätte. Ohne Tierversuche hätten sich aller Wahrscheinlichkeit nach sogar schon sehr viel früher humanrelevantere Verfahren etabliert. Eventuell wäre die medizinische Forschung womöglich zügiger vorangekommen. Denn durch die vielen falschen und widersprüchlichen Ergebnisse, die schon aus Tierversuchsdaten hervorgegangen sind, wurde und wird die Forschung aufgehalten. 

Doch Vergangenheit hin oder her: Wir müssen uns alle auf die Zukunft konzentrieren. Darauf, dass die Technologie von heute so viele neue Möglichkeiten aufwirft, die auch dazu genutzt werden können, Tierversuche überflüssig werden zu lassen. Zellkulturen gegen Tierversuche sind ein Anfang – und es werden bestimmt noch viele andere vielversprechende Methoden folgen. 

Der HET-Cam-Test stellt eine weitere alternative Methode zu Tierversuchen in der Kosmetikbranche dar. Erfahre hier mehr darüber. 

 

 

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