Der HET-Cam-Test und Tierschutz: Was steckt dahinter?

Tierversuchsfreie Hautpflege

Tierversuche werden leider immer noch viel zu häufig durchgeführt. Dabei gibt es auch alternative Methoden, mit denen Haut- und Augenverträglichkeit von Substanzen getestet werden können. Eine Möglichkeit bietet der HET-CAM-Test, bei dem Hühnereier hinzugezogen werden – das Ganze funktioniert auch ohne Tieren Schmerzen zuzufügen. Wir erklären Dir, was Du darüber wissen musst. 

Was ist der HET-Cam-Test?

Bei dem HET-CAM-Test (auch als Hühnerei-Test bekannt) handelt es sich um ein Verfahren zur Überprüfung der Schleimhautverträglichkeit von Chemikalien. Die Abkürzung HET-CAM steht für: Hen’s egg test chorioallantoic Membrane oder auch zu Deutsch Hühnerei-Test an der Chorion-Allantois-Membran. Mitte der 80er-Jahre (1985) konnte der HET-CAM-Test von dem Osnabrücker Pharmakologen und Toxikologen Niels-Peter Lüpke entwickelt werden. Auch als Alternative zum Irritationstest am Kaninchenauge.

Und was ist die Chorion-Allantois-Membran (CAM), um die es hier geht? Kurz gesagt: die Aderhaut eines Eies. Beides – Chorion und Allantois – sind Fruchthüllen. Sie umschließen den Embryo bei Wirbeltieren. Es handelt sich um eine von Blutgefäßen durchzogene Membran, die nicht als schmerzempfindlich gilt. 

Der HET-CAM-Test wird an bebrüteten Eiern durchgeführt. Und zwar vor dem 10. Bebrütungstag. Warum? Dann haben Hühnerembryos noch kein Schmerzempfinden.

Der HET-CAM-Test in der Kosmetik

Mit diesem Testverfahren werden neue, dermal zu applizierende Arzneizubereitungen, Kosmetika und/oder Chemikalien analysiert. So kann herausgefunden werden, ob die Produkte eventuell das Potenzial besitzen, Augenreizungen hervorzurufen. 

So funktioniert der Test: Benötigt wird die Chorion-Allantois-Membran (CAM) eines befruchteten und neun Tage alten bebrüteten Hühnereis. Die zu testende Substanz wird dann damit zusammengebracht. Erfasst und ausgewertet werden nun etwa das zeitabhängige Auftreten von Blutungen, Veränderungen der Blutgefäße oder des Eiklars. Zu beachten ist dabei allerdings, dass das zeitliche Auftreten der Reaktion mit der Stärke des Reizpotenzials korreliert.

Vorteile und Nachteile

Der HET-CAM-Test bietet große Chancen, aber auch gewisse Nachteile, die bei der Ermittlung der Haut- und Augenverträglichkeit neuer Substanzen zu berücksichtigen sind. Dazu gehören beispielsweise folgende Punkte: 

Vorteile

  • Einfache und schnelle Durchführbarkeit
  • Hohe Empfindlichkeit des Tests
  • Relativ geringer Kostenaufwand für die Durchführung

Nachteile

  • Subjektive Ermittlung des Testergebnisses (Verminderung durch den Einsatz von positiven Standards und einem entwickelten Bewertungsschema) 
  • Kann nicht eingesetzt werden für: Substanzen mit pharmakologischen Effekt auf Blutgefäße, färbende Substanzen, die die CAM verfärben und adhäsive, undurchsichtige Substanzen, die sich nicht von der CAM entfernen lassen

HET-CAM-Test – eine Art Tierversuch? 

Das Testverfahren befindet sich in einer Art Grauzone. Es ist umstritten, ob der HET-CAM Test zu den Tierversuchen zählt oder nicht. Generell gilt die Methode aber auch als Alternativverfahren für Tierversuche. 

Es werden befruchtete Hühnereier am Tag 9 der Embryogenese für den Test verwendet – dann sind das Nervengewebe sowie das Schmerzempfinden noch nicht entwickelt. Derzeit gilt der HET-CAM-Test als grenzwertig. Dennoch wird er dazu eingesetzt, um die Anzahl der an Säugetieren durchgeführten Versuche zu reduzieren. Genauso wie die dadurch entstehenden Qualen der Tiere.

Tierschutz: Etablierung alternativer Testverfahren

Es ist sinnvoll, überall da, wo bisher Tierversuche eingesetzt werden, auf diese zu verzichten und sie gegen alternative, tierfreie Verfahren zu ersetzen. Beziehungsweise im ersten Schritt mit immer weniger Tieren auszukommen, die Qualen zu minimieren. Quasi nach dem Motto: verringern, verbessern, vermeiden. 

Ein Beispiel dafür bietet auch der hier behandelte HET-CAM-Test. Denn mit ihm wird die Haut- und Augenverträglichkeit von Substanzen an Hühnereiern getestet. Nicht an Tieren. Bis 2004 waren für solche Tests Kaninchen erforderlich.

Doch das Vermeiden von Tierversuchen und das Austauschen gegen Alternativmethoden könnte von vielen Unternehmen noch viel zielstrebiger verfolgt werden als es derzeit der Fall ist. Häufig stehen zwar einige Methoden zur Vermeidung von Tierversuchen bereit, doch sind diese oftmals nicht offiziell anerkannt. Mit ihnen können beispielsweise keine oder unzureichende Ergebnisse in Anträge auf Studiengenehmigung oder zur Medikamentenzulassung erzielt werden. Daraus resultiert, dass Unternehmen diese alternativen Testverfahren wie den HEM-CAM-Test zwar intern zur Analyse nutzen, aber dennoch nach alter Herangehensweise Tierversuche durchführen müssen. Schon alleine, um den Ansprüchen der Behörden zu genügen.

Für den Tierschutz: Siegel beachten

Auch wir bei ZAUBERBLICK sind gegen Tierversuche. Wer bewusster einkaufen will, der sollte auf verschiedene Siegel achten, die tierversuchsfreie Produkte ausweisen. Aber Vorsicht: Viele Hersteller erfinden eigene Fantasie-Symbole, von denen Verbraucher annehmen, sie seien offiziell anerkannte Siegel.

Der Überblick fällt schwer: In Deutschland gibt es verschiedene Siegel. Deshalb haben raten wir Dir, Dich hier bei der Verbraucherzentrale über die gängigsten zu informieren. Unser Extra-Tipp: Mit der App “CodeCheck” kannst Du Produkte vor dem Kauf schnell und einfach abscannen und checken.

Hier erfährst Du, wie Du tierversuchsfreie Kosmetikprodukte erkennen kannst – und warum es immer noch Schlupflöcher für Tierversuche gibt.  

 

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