Bewertungsportale im Überblick – Wie stehen die BEAUTY-Sterne?

Treatwell Bewertung

Wir leben in einer Zeit, in der beinah alles öffentlich bewertet werden kann und auch auf der Grundlage dieser öffentlichen Bewertungen konsumiert wird. Kann sich noch jemand von Euch vorstellen, ein Buch zu kaufen, eine Reise zu buchen, einen Film anzuschauen, ohne die Empfehlungen “unabhängiger” Experten bzw. die Erfahrungen von vertrauenswürdigen Mit-Konsumenten von neben an zu Rate zu ziehen?

Gib mir Deinen Stern, ich geb Dir meinen

Nun ja, vor nicht mal 10 Jahren hat man sich eher auf seine eigene Meinung und vielleicht die der Freunde verlassen und auch mal was gewagt. Heute geht ohne Sternchen gar nichts mehr. Just saying…, Ladies. Krass ist, dass wir diesen Sternchen, Top-10 Listen unabhängiger Ratgeberportale und sonstigen Erscheinungsformen der “User-Generated-Stiftung-Warentests” im zunehmenden Maße blind vertrauen.

Wenn wir also Abends bei IMDB oder Rotten Tomates einen Film recherchieren, beschleicht vermutlich die wenigsten von uns das Gefühl, dass die Charts gezinkt sein, die Experten- und Nutzerreviews gefaked, gekauft, voreingenommen sein könnten. Denn der Rahmen wirkt höchst professionell, schick und seriös. Da kann nichts schief gehen. Also entscheiden wir uns zufrieden für einen besser bewerteten Film und lassen einen schlechter bewertet logischerweise links liegen.

Sind wir gerade doch einem Promo-Komplott der Filmindustrie zum Opfer gefallen, ist der Schaden mehr oder weniger überschaubar. Zwei Stunden verlorene Lebenszeit und ein paar Euro für die Streamingdienste. Doch was, wenn wir mit vergleichbarer Leichtgläubigkeit bei der Entscheidungen mit erheblicheren möglichen Konsequenzen vorgehen? Zum Beispiel bei der Auswahl von kosmetischen Dienstleistungen. Ob Wimpernverlängerung, Friseurbesuch, Nageldesign usw. Eine missglücktes Ergebnis als Folge manipulierter Erwartungen bzw. unechter Empfehlungen kostet Zeit, Geld, Lebensgefühl und schlimmstenfalls unser Wohlbefinden bis hin zu gesundheitlichen Konsequenzen.

Bewertungen in der Kosmetik

Ja, auch im Kosmetikbereich wird bewertet und empfohlen, was das Zeug hält. Fast jeder Anbieter hat bei Google und/oder Facebook Bewertungen. Ob positiv oder negativ, sollte man sich diese stets genau anschauen. Ich schaue mir gerne zunächst die besten und die schlechtesten an und versuche ein Gefühl dafür zu bekommen, ob sie echt sind. Häufigkeit der Bewertungen, Nutzeramen und -Bilder, Ausführlichkeit, Formulierungen lassen relativ schnell mögliche Manipulationen erkennen. Das ist vergleichsweise einfach, denn die Betreiber der Salons und der entsprechenden Online-Präsenzen sind nicht Profi genug, um Fakes durchgehend wirklich gut zu machen.

Das schlimmere Übel sind in meinen Augen professionell aufgezogene Ratgeberportale und Plattformen. Durch die professionelle Aufmachung genießen sie vorab einen gewissen Vertrauensvorschuss der Nutzer. (Sehr ähnlich wie unser IMDB Beispiel oben.). Besuchen wir ein bekanntes Buchungsportal für kosmetische Dienstleistungen, gehen wir gar nicht davon aus, dass uns dort etwas vorgeschlagen werden kann, was für den Betreiber und nicht für den Kunden am Ende das Beste ist.

Einfaches theoretisches schwarz-weiß Beispiel. Was lohnt sich für ein Buchungsportal, welches von der Buchungsprovision lebt eher? Einen teureren und sehr hochwertigen Anbieter (Klasse) zu pushen oder einen mittelmäßigen im mittleren Preissegment (Masse)? Hier will ich lediglich andeuten, dass es wirtschaftliche Interessen geben kann, die nicht mit Eueren Interessen als Kundin übereinstimmen. Wie dem auch sei. Wie könnte die praktische Umsetzung solcher Interessen seitens der Portale aussehen? Ein paar Beispiele.

Unabhängige Empfehlungen (kaufen)

Ich unserem eigenen Bereich Wimperverlängerungen ist mir kürzlich ein “unabhängiges Ratgeberportal” namens “wimpernverlaengerung.org” aufgefallen. Die Seite ist vor gar nicht langer Zeit entstanden. Sie fällt auf durch Unmengen an in kürzester Zeit professionell erstellten Texten zu allen Facetten der Wimperverlängerung. In den Texten sind stets Links zu Produkten (meist bei Amazon) untergebracht. Das sieht z. B. so aus:

Diese Ratgeber-Seite ist eine sogenannte “Affiliate-Seite”. Der Betreiber versucht, durch viele suchmaschinenoptimierte Inhalte möglichst viele der Google Nutzer, die sich für Themen rund um Wimpern interessieren, auf die Seite zu holen und Ihnen anschließend “unabhängig” vorzustellen. Wird so ein Produkt gekauft, gibt es Provision. Ganz wichtig: solche Empfehlungen haben ggf. vor allem einen wirtschaftlichen und nicht unbedingt einen qualitativen Hintergrund.

Fun Fact, der Betreiber der Seite ist für eine ganze Reihe ähnlich aufgebauter Portale (z. B. Zelt.org, Fliesen.org, Dirndls.de usw.) verantwortlich. In diesem Zusammenhang gab es mal eine interessante Einschätzung der Verbraucherzentrale bezüglich der Vertrauenswürdigkeit einiger Seiten aus dem Portfolio. Doch weiter geht’s.

Auf der Seite werden neben Produkten Wimpernstudios empfohlen. Und zwar natürlich nur “ausgewählte” und “seriöse”!

Wie schön, dass sich hier ein offensichtlicher Experte die Mühe gemacht hat, für den naiven Nutzer eine Liste aus Handverlesenen Top-Adressen zusammenzustellen. Schauen wir mal bei Hamburg rein.

Es ist nicht so wichtig, wer drin steht. Wichtig ist, wohin die Verlinkungen führen. Ich hoffe, dass wird aus dem Screenshot ersichtlich. Sonst geht gerne auf die Seite und prüft nach. Alle empfohlenen Studios sind Werbelinks von “Treatwell” (vermutlich das bekannteste Buchungsportal im Bereich Kosmetik).

Verboten ist diese Art von Affiliate-Werbung nicht grundsätzlich. Lediglich, wenn sie den Tatbestand von unlauterer Werbung erfüllt. Das vermag ich nicht einzuschätzen. Feststeht, ein durchschnittlicher Nutzer, kann das als reine Werbung nicht erkennen, und wird somit durch die vermeintliche unabhängige Empfehlung ggf. irregeführt.

1000 und 1 Bewertung bei Treatwell

Es geht weiter mit dem nächsten Beispiel direkt auf der Seite von Treatwell. Die auf dem Ratgeberportal empfohlen Treatwell-Kunden aus Hamburg haben alle eins gemeinsam. Sie haben bei Treatwell teils mehrere Hundert bis gar über Tausend Bewertungen.  Oft werden solche Bewertungsgranaten zusätzlich mit dem Siegel “Top Rated” versehen.

Das Gefälle bei den Bewertungen zwischen den Top-Rated und den Normalos ist schon erstaunlich. In ähnlicher Lage kann ein Studio über 1000 Bewertungen haben und ein anderes mickrige 20-30. Hm. Eine andere interessante Beobachtung ist das Verhältnis der Treatwell-Bewertungen der Überflieger zu ihren Bewertungen auf anderen Plattformen wie Facebook oder Google. Recht oft fällt dieses Verhältnis so ähnlich aus.

Facebook und Google unter 100, meist in unregelmäßigen Abständen bewertet. Bei Treatwell gibt es Bewertungen am laufenden Band. Wow. Falls Ihr Treatwell nutzt, schreibt mir doch bitte, wie man Euch zum gewissenhaften Bewerten motiviert. Oder wird vielleicht automatisch eine Bewertung abgegeben, es sei denn, der Nutzer greift ein? Wie dem auch sei. Für Hunderte und Tausende Bewertungen müsste nach (meinem) Adam Riese bei einem kleinen Studio wohl jeder zweite Kunde nach jedem Besuch bewerten. Und manche Studios scheinen da einfach wahnsinnig viel Glück zu haben, während die ein paar Meter weiter total versagen. Böse Zungen könnten hier auf Ideen kommen. But it wasn’t me.

 

Die Moral von der Geschichte

Das waren jetzt zwei einfache Beispiele und Hinweise, wie man Eure Kaufentscheidung in Sachen Kosmetik beeinflussen könnte, ohne dass Ihr das auch nur ahnt. Mädels, in dem durchtriebenen Internet #Neuland werden nicht nur Papa und Mama, Oma und Opa veräppelt. Haltet Eure hübschen  Augen weit offen und Eure Wimpern gut gepflegt.

Schreibt uns gerne, was Ihr von dem Thema haltet.