Interview Anna Voelske – Inhaberin Fair Model

Ein komplett klimaneutrales Fotostudio, ausschließlich Models, die einen nachhaltigen Lifestyle pflegen und sich dazu verpflichten, nur für nachhaltige Brands zu arbeiten. So funktioniert die Fair Model Agentur von Anna Voelske. Von Haus aus ist sie Psychologin und Modefotografin, 2017 hat sie ihre Agentur in München gegründet. Anna liebt an ihrer Arbeit nicht nur das Gespräch und den persönlichen Kontakt den Menschen, sondern auch die Möglichkeit, nachhaltig agierende Firmen mit ihrer Arbeit unterstützen zu können. Im ZAUBERBLICK Interview erzählt sie, wie es zu dieser außergewöhnlichen Geschäftsidee kam, wie sie ihr Leben möglichst nachhaltig gestaltet und was jede von uns im Alltag tun kann, um weniger zu konsumieren. 

Was waren Deine Beweggründe eine Fair Model Agentur zu gründen?

In meiner Arbeit als Modefotografin ist mir öfter das Problem begegnet, dass nachhaltige Brands sich von Models distanzieren wollten, die kurz darauf für nicht-nachhaltige Brands gearbeitet haben. Stichwort: Fast Fashion… Da kam mir die Idee, nachhaltige Models mit nachhaltigen Brands zu matchen. Die Brands gewinnen dabei an Glaubwürdigkeit, indem sie klar zeigen, dass es ihnen nicht egal ist, wer für sie wirbt. Die Models haben keinen Gewissenskonflikte mehr hinsichtlich ihrer Kunden – das ist eine Win-Win-Situation!

Was ist für Dich schön? Und wonach entscheidest Du, ob ein Model zu Euch bzw. zu Euren Kunden passt?

Schönheit ist meiner Meinung nach immer auch ein Spiegel der Gesellschaft, in der wir leben – inklusive der geltenden Schöheitsideale. In Zeiten von Armut galt ein Wohlstandsbäuchlein zum Beispiel als schön, in unserer Zeit des Überkonsums, ist Schlankheit immer noch ein verbreitetes Ideal. Dabei sind wir nicht so streng sind wie andere Agenturen. Unsere Models strahlen vor allem durch ihre Persönlichkeit und ihre Geschichte. Zum Glück muss ich das aber im Einzelfall nicht alleine entscheiden, sondern gemeinsam mit meiner Jury aus zwei Männern und zwei Frauen. 

Wie wie stellst Du sicher, ob ein Model tatsächlich einen “nachhaltigen Lebensstil”  führt? Was macht den konkret aus? 

Die meisten Models bewerben sich bei uns oder ich caste über Instagram. Da bekomme ich ja schon einen gewissen Einblick in den Lebensstil der Personen. Natürlich wird im persönlichen Gespräch nochmal nachgespürt, wie ernst die Models es meinen.

Wie stehst Du zu ästhetischer Schönheitschirurgie bei Models?

Das ist eine schwierige Frage, ich persönlich sehe das eher kritisch. Ich habe mich aber schon oft gefragt, wie sich das Selbstwertgefühl einer Person, die unter einem subjektiv empfundenen körperlichen Mangel leidet, verändert, wenn dieser operativ behoben wird. Ich denke, man muss das wirklich individuell klären und kann darauf keine pauschale Antwort geben. Auf gewisse Weise ist jeder Mensch schön, genau so wie er geboren wurde.

Derzeit springen alle auf den Zug der Nachhaltigkeit auf. Greenwashing kann für Unternehmen schnell rufschädigend werden. Wie prüfst Du die Produkte und Brands auf ihre Konzepte?

Zum Glück hatten wir bisher nicht das Problem, dass pseudo-nachhaltige Brands mit uns zusammenarbeiten wollten!  Für die generelle Prüfung auf Nachhaltigkeit haben wir aber eine Mitarbeiterin, die im Sustainability Controlling arbeitet. Transparenz ist dabei der wichtigste Faktor. Wer alles offen legt, von der Lieferkette, über die Produktionsbedingungen und die Löhne, hat offensichtlich nichts zu verbergen und genau das sollte dann auch proaktiv kommuniziert werden.

Quizfrage: Wenn Du aus dem Bauch heraus entscheiden müsstest: Für welches der vier Verpackungskonzepte bei Beauty Produkten würdest Du Dich entscheiden?

  1. Rezyklate – recyceltes PET
  2. Nachwachsende Rohstoffe wie Zuckkerrohr
  3. Mehrwegpfandflaschen und Tiegel, die man wieder zurückgeben oder im Haushalt zweckenfremden kann
  4. Biochemicher Abfall (wird aus dem Inhalt gelber Säcke gewonnen)

Puh! Noch eine schwierige Frage! Spontan würde ich sagen Zuckerrohr, wobei ich nicht weiß, wie der Effekt ist, wenn sich alle dafür entscheiden und das Material in großen Mengen benötigt werden würde. Global gesehen wäre es vermutlich eine Mischung aus allem, damit das Gleichgewicht gehalten werden kann.

Was bedeutet für Dich nachhaltiges Handeln im Alltag – sowohl privat als auch im Beruf? 

Das bedeutet für mich privat und beruflich, sich immer weiterzuentwickeln und zu hinterfragen: Brauchen wir das wirklich? Gibt es das auch in nachhaltig? Im Privaten mache ich keine Flugreisen, kaufe regional und bio ein, konsumiere generell wenig, und kaufe beispielsweise keine neue Technik, sondern immer gebrauchte und überholte Produkte. Ich suche das Schöne im Nahen. 🙂 

Im Beruflichen wähle ich meine Lieferanten sehr sorgfältig aus und versuche, den Büroalltag möglichst nachhaltig zu gestalten. Das heißt konkret: regionales Biocatering, lokale und kleine nachhaltige Firmen unterstützen, der Nachhaltigkeit überhaupt eine 

Bühne zu geben und auf das globale Bewusstsein hinweisen, wann immer es möglich ist.

Wow, Du bist echt ziemlich weit vorne in dem Thema. Beschreibe Dich mal als Konsumentin. Wie was und wo kaufst Du ein? Welche Challenges siehst Du?

Das meiste was ich konsumiere, sind Nahrungsmittel, gerne im regionalen Supermarkt oder auch im Rewe (zum Glück bei uns gegenüber), Klamotten eigentlich nur bei meiner Mutter, GOTS zertifiziert oder handgestrickt. Meine absolute Challenge: Ich bestelle bzw. hole gerne Essen und mich ärgert die ganze Plastikverpackung…

Beautyprodukte bekomme ich ja zum Glück von euch oder alternativ mal bei Lavera und Co. 

Eigentlich gehe ich auch bei DM einkaufen, das überdenke ich aber nach dem aktuellen Skandal mit dem gefälschten Rucksack noch… Es wird meiner Meinung nach immer schwerer, großen Firmen zu vertrauen. Daher versuche ich, kleinere Firmen zu unterstützen – da gibt es echt tolle Ideen, sowohl bei Mode, als auch bei Haushaltsartikeln und Deko. 

PSST! HIER KANNST DU DURCH UNSERE ZERO WASTE KOLLEKTION STÖBERN! 

Wie gut kennst Du Dich mit dem Thema Recycling aus? Wüsstest Du auf Anhieb, wie man z.B. einen Joghurtbecher richtig entsorgt? 

Mein Joghurt ist meistens im Glas. Wenn es leer ist, bringe ich also zum Glasbehälter, ansonsten entfernt man glaube ich die Papierverpackung und entsorgt sie getrennt von dem Plastikbecher. (Richtig! Mehr zum Thema Recycling liest Du in diesem Artikel) 

Immer mehr Fashion Brands setzen auf nachhaltig Materialien – Baumwolle ist beispielsweise wieder voll im Trend. Wir brauchen jede Menge davon, um alle Menschen mit Bio-Kleidung ausstatten zu können. Das bedeutet wiederum, es muss unglaublich viel Baumwolle gepflanzt werden. Ist das aus Deiner Sicht ökologisch und ökonomisch vertretbar?

Wir konsumieren generell natürlich zu viel. Gerade mode ist eben eine Ausdrucksweise, also eventuell schon eine Art Kunst, sich selbst nach außen darzustellen. Ich halte es dabei mit Yves Saint Laurent: Fashion fades, style is eternal. Und style funktioniert auch mit sehr wenigen Kleidungsstücken… Wir müssen natürlich unser generelles Konsumverhalten überdenken und neben der Bio-Baumwolle gibt es viele Alternativen: Recycling, Upcycling, Ananas Leder, Rhabarberleder, Wolle, Zero Waste Designs, etc. Ich habe zum Beispiel eine geniale Tasche aus alten LKW Reifen! 

Welchen Appel möchtest du an unsere Leserinnen richten?

Die Klimadebatte als ein globales Problem zu sehen, das globale Lösungen braucht. Im Kleinen damit anzufangen und sich immer wieder zu fragen: Muss das sein? Macht mich das glücklich? Oder kann ich nicht vielleicht jemand anderen heute glücklich machen?

Schau dir Annas Arbeit und die Fair Model Agentur mal auf ihrer Website an und lass dich inspirieren! 

 

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